5-Euro-Haus

Gemeinsam unterstützen wir Familie Meyer aus Ahrtal

Schon Friedrich-Wilhelm Raiffeisen sagte: "Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele"! Genau diesen Leitsatz haben wir zum Anlass genommen, eine Patenschaft – im Rahmen des 5-Euro-Hauses – für Familie Meyer im Ahrtal zu übernehmen.

Wir haben uns über unser regionales Handeln hinweggesetzt: Die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal hat uns dazu veranlasst. Das Ausmaß dieser Zerstörung konnte und kann man noch immer nicht begreifen. Dies wollen wir mit der Übernahme der Patenschaft für Familie Meyer in Angriff nehmen.

Überblick

Unsere Patenfamilie ist selbstverständlich Kunde einer Genossenschaftsbank und wir wollen auf diesem Wege die große genossenschaftliche Gemeinschaft aufzeigen und erlebbar machen. Dabei setzen wir auf unser Netzwerk, unsere Mitarbeiter sowie unsere Mitglieder und Kunden.

Übernehmen Sie eine Patenschaft von 5 Euro (oder mehr) pro Monat und geben Sie der Familie damit eine Perspektive für den Wiederaufbau ihres Hauses. Familienvater Sascha Meyer schildert in der untenstehenden Geschichte die dramatische Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Packen wir es an und zeigen damit, die große Stärke der Volks- und Raiffeisenbanken.

Übrigens: Selbstverständlich haben wir auch bei uns in der Region für die vom Hochwasser betroffenen Gebiete gespendet.

Sie möchten Familie Meyer helfen?

Kontoinhaber: Sascha Meyer
IBAN: DE24 5776 1591 0085 9309 00

 

Wenn Sie sich für das "5-Euro-Haus" der Familie Meyer entscheiden,
dann senden Sie bitte eine Mail an: thomas.appel@vr-mfr.de
In regelmäßigen Abständen werden wir die Spender über den Fortschritt am Haus mit Texten, Fotos und Videos informieren.

Die Geschichte von Sascha, Simone und den Kindern John & Jack

Um euch einen Eindruck darüber zu vermitteln, wie uns das Hochwasser in der Nacht vom 14.07. auf den 15.07.2021 getroffen hat, möchte ich euch auch einen Einblick in unser Privatleben geben und der schönen Zeit, die wir in den 15 Monaten in Altenburg erleben durften und wie das Hochwasser uns nach oben „getrieben“ hat, ohne zu wissen, wann das Ganze ein Ende nimmt.

Am 03.04.2020 haben wir unser Traumhaus in Altenahr, Ortsteil Altenburg gekauft. Eingezogen bin ich mit meiner Frau Simone (38) und meinen Söhnen John (5) und Jack (2) und den Katzen Jimmy und Lilly (4) Ende April 2020. Trotz Corona Pandemie haben wir uns von Anfang an sehr wohl gefühlt und gerade unser Sohn John hatte schnell Spielgefährten und Anschluss in der direkten Nachbarschaft gefunden. Wir fühlten uns angekommen in unserem Traumhaus.

Für den 13.07. und 14.07. gab es im Vorfeld Meldungen über Starkregen. Am 13.07. gab es zwar mal Schauer, jedoch weit entfernt von Starkregen. In unserer Region gibt es regelmäßig Unwetterwarnungen, jedoch ist es nicht selten der Fall, dass in unserem Tal die Sonne scheint und sich Unwetter in angrenzenden Regionen entladen. Dies änderte sich am späten Nachmittag des 14.07..

Meine Frau hatte in Altenahr um 17:15 Uhr noch einen Termin beim Friseur und ich wartete mit meinen Söhnen John und Jack. Bei der Rückfahrt war die Ahr am nahegelegenen Campingplatz teilweise über die Böschung getreten und die Anwohner standen mit Pumpen und Schläuchen direkt an der Ahr parat, um das Wasser direkt abpumpen zu können. Die Hauptstraße Richtung Kreuzberg war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr passierbar.

Zu Hause angekommen bemerkten wir, dass die Nachbarn größtenteils die Autos auf höher gelegene Parkplätze geparkt hatten. Ich schloss mich dem an und platzierte unsere zwei Autos am Hang in der Nachbarschaft.

Als ich zurück im Hof stand, hielt ich für kurze Zeit inne, um einzuschätzen, ob es Unruhe im Dorf gab. Die Vögel zwitscherten, ansonsten gab es keine Hinweise darauf, dass irgendetwas ungewöhnliches bevorstehen würde.

Sicherheitshalber räumte ich den Raum, in dem sich auch die Öltanks befanden, unter unserer Terrasse aus, da der Eingang dazu der tiefste Punkt auf unserem Grundstück ist und ich damit rechnete, dass der Raum sich zumindest teilweise mit Wasser füllen würde. Auch hier schaute ich mich um und sah sonst niemanden in der Nachbarschaft räumen. Die Fahrräder stellte ich in unsere Garage. Plötzlich kam mein Sohn John angerannt und rief: „Papa, das Wasser kommt!“ Wir rannten in den Hof, und da sah ich das Wasser aus Richtung „Mittelstraße“ und „Im Auel“. Das Wasser wirkte ruhig. Ich war zu diesem Zeitpunkt davon überzeugt, dass ggf. unser Garten und Keller ein bisschen Wasser abbekommen würden. Ich ging in den Keller und räumte die NAS in den ersten Stock und ging zurück auf den Hof. Da sah ich unsere Nachbarn von schräg gegenüber, die mir erzählten, dass sie den Trockner und die Waschmaschine auf einen ca. 20 cm hohen Sockel gestellt hatten. Daraufhin bin ich zurück und habe unseren Trockner auf die Terrasse getragen. Die Waschmaschine war noch voller Wasser, daher blieb sie in der Keller-Eingangstür zum Garten stehen.

Ich bin aus dem Keller raus und habe aus Gewohnheit die Kellertür zum Flur geschlossen und schaute dann im Erdgeschoss aus der Eingangstür.

Schätzungsweise gegen 20:30-20:45 Uhr mussten wir unser Erdgeschoss aufgeben. Simone brachte Jack in seinem Zimmer zu Bett, John hatten wir im Schlafzimmer hingelegt. Er konnte zwar aufgrund der Aufregung nicht einschlafen, verhielt sich jedoch ruhig.

Kurz nach 21:30 Uhr erreichte ich über mein Handy die Polizeiinspektion Adenau und fragte, ob sie sagen könnten, wann der Scheitelpunkt des Hochwassers erreicht sei, da bereits unser Erdgeschoss unter Wasser stand. Der Polizeibeamte konnte darüber keine Auskunft geben, lediglich dass der Pegel bei 5,80 m stehen bleiben würde. Darauf erwiderte ich, dass das Wasser in Altenburg weiter steigt. Ich bekam noch den Hinweis, dass wir zur Not aufs Dach und letztendlich ins Wasser gehen müssen. „Ins Wasser gehen, ist für uns keine Option. Mein Sohn Jack ist 2 und John gerade 5 geworden. Wir haben keine Möglichkeit, die Kinder an uns zu binden und auch keine Schwimmflügel.“ Kurz darauf beendeten wir dann das Telefonat.

Zwischen 21:30 Uhr und 22:05 Uhr muss es eine erneute Flut gegeben haben. Das Wasser stand kurz vor dem Obergeschoss. Ich schrie zu Simone: „Schatz, wir laufen voll!“. Sie nahm Jack und ich schnappte mir John und wir rannten auf den Dachboden. Jetzt war der Moment, dass es nur noch darum ging, das Nötigste auf den Dachboden für die Nacht zu bekommen. Wir trugen unsere Matratzen, Windeln, 2 Liter Getränke, ein bisschen was zu essen, die Katzen etc. und nötige Kleidung von uns hoch. Es war schon lange her, dass ich ein „Vater unser“ gebetet habe, in der Nacht tat ich es und es fühlte sich gut, man kann sagen befreiend. Ich verstand in dem Moment, dass es für uns auch nicht gut ausgehen könnte. Es gingen Bilder durch meinen Kopf wie ich John und Jack in den Fluten verliere. Der Schrei „Lilly komm her!“ riss mich aus meinen Gedanken. Simone rannte zurück vom Dachboden ins Obergeschoss und ich hörte sie durchs Wasser rennen. Durch das Getöse der Flut brüllte ich nun: „Komm hoch, das ist zu gefährlich!“. Zum Glück kam sie kurz darauf mit Lilly im Arm zurück auf den Dachboden. Die Kinder weinten und wir beruhigten sie.

Ich machte mich daran, für uns einen Notausstieg zu schaffen, um im Fall der Fälle auf das Dach flüchten zu können. Da der Dachboden nicht ausgebaut war („kalter Dachboden“), war das kein Problem. Auf einmal hörten wir eine Frau schreien: „Hilfe, wir ertrinken!“. Ich schaute sofort auf das Handy und hatte kein Netz. Beim Blick auf die Flut war auch klar, dass es keine Möglichkeit gab irgendwie zu helfen. Ich setze mich neben Simone und fragte sie, was hier gerade passiert. Wir hörten in der Nacht noch weitere Menschen um Hilfe rufen. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass aufgrund der Strömung eine Rettung mit Boten nicht möglich war und die Bergung aus der Luft nachts aufgrund der schlechten Sicht nicht durchgeführt wird. Wir erfuhren, dass 3 Frauen aus der Nachbarschaft in dieser Nacht ihr Leben verloren hatten.

Wir machten in dieser Nacht kein Auge zu. Die Kinder schliefen irgendwann ein und wir beobachten regelmäßig mit den Nachbarn den Pegelstand.

Um ca. 9:00 Uhr (15.07.) kam unser Nachbar aus der Mittelstraße vorbei und wir brachten mit einem Kanu die Kinder und Simone durch knietiefes Wasser an einen höher gelegenen Ort. Durch das Wasser zu gehen, war beschwerlich, da die Flut Schlamm mitbrachte.

Wir gingen zu einem privaten Sammelpunkt, an dem wir über den Tag über verpflegt wurden. Bis zu vier Hubschrauber waren den Tag über im Dauereinsatz, um die Anwohner, die sich auf den Dächern in Sicherheit gebracht hatten, zu bergen. Anstelle mit dem Hubschrauber evakuiert zu werden gingen wir zu Fuß über Feld und Wanderwege/ Trampelpfade in den Nachbarort Kreuzberg, dann weiter ca. 3km oberhalb von Altenahr an den Wanderparkplatz, wo uns mein Schwiegervater abholte.

Simone erzählte mir an dem Abend, dass unser Sohn John zu dem Zeitpunkt als ich provisorische die Öffnung ins unser Dach als Notausgang „machte“, gefragt hat, ob wir alle sterben müssen.

John hat es mittlerweile (9 Wochen danach) alles gut verarbeitet und geht wieder gerne und regelmäßig in den Kindergarten. Das Haus ist mittlerweile entkernt und die Bautrockner laufen im Keller auf Hochtouren.